2. Bestandsaufbau als bibliothekarisches Arbeitsfeld
Bestandsaufbau ist eine Aufgabe der Bibliothekarinnen und Bibliothekare, teilweise der Bibliotheksassistenten/innen in Öffentlichen Bibliotheken. Sie umfaßt im wesentlichen:
Die Entscheidung, in welcher Weise und an welcher Stelle in der Bibliothek die ausgewählten Medien und Materialien erschlossen und den Benutzern zugänglich gemacht werden (verbale und klassifikatorische Sacherschließung, also Beschlagwortung und Systematisieren, ferner Interessenkreiserschließung, Aufstellung und Präsentation), werden im allgemeinen nicht zum Bestandsaufbau gerechnet, obwohl beide Aufgabenbereiche eng miteinander verzahnt sind. So kann ein richtig ausgewähltes Buch an der falschen Stelle in der Bibliothek aufgestellt werden und damit der Benutzung verloren gehen.
Wer Bestandsaufbau in einer Öffentlichen Bibliothek betreibt, braucht Kenntnisse, um die folgenden Fragen beantworten zu können:
2.1 Was sind die Aufgaben der Öffentlichen Bibliothek?
Der Bestandsaufbau bewegt sich in dem von diesen Aufgaben umrissenen Rahmen. Hinsichtlich der durch den Bestand, also das mediale Angebot, definierten Funktionen der Öffentlichen Bibliothek werden heute genannt (2):
Konkret ist damit beispielsweise gesagt, daß die Öffentliche Bibliothek berufsbezogene Fachbücher, Bilderbücher, Schulbücher oder Literatur für ausländische Mitbürger, ferner bei den non-print-Medien Datenbanken auf CD-Rom oder Reise-Informationen als Multimedia-Medium oder gedruckte Landkarten oder Spielfilme auf Videos anbieten soll.
Für die Entscheidungen beim Bestandsaufbau bedeutet diese Funktionsbestimmung, daß der Bibliothekar bzw. die Bibliothekarin wissen muß, in welcher Weise welche Medienarten und einzelne Medien welche dieser Funktionen erfüllen können. Erforderlich sind also Kenntnisse der Medienmärkte und ihrer Strukturen. Mit anderen Worten, anhand dieses Aufgabenkatalogs kann man Medienarten und Medien hinsichtlich der Eignung für die öffentliche Bibliothek bewerten.
2.2 Welche qualitativen Ziele strebt der Bestandsaufbau an?
Mit den Aufgaben der öffentlichen Bibliothek ist der Rahmen umrissen, in dem der Bestandsaufbau sich qualitativ bewegt. Indessen kann selbst eine Bibliothek mit einem besonders leistungsfähigen Erwerbungsetat keineswegs alle Medien erwerben, die nach diesem Aufgabenkatalog zur Aufnahme in den Bibliotheksbestand, also zur Erwerbung geeignet sind. Deshalb ist die Formulierung konkreter bestandspolitischer Ziele erforderlich. Diese setzen die Schwerpunkte im Rahmen der allgemeinen Aufgaben und sind in der alltäglichen Arbeit der Auswahlentscheidung die Richtschnur. Zur Formulierung ihrer qualitativen bestandspolitischen Ziele wählt die einzelne Bibliothek eine von den folgenden acht informationslogistischen(3) Rollen als ihre wichtigste aus und berücksichtigt ein bis maximal drei weitere Rollen mehr oder minder deutlich, je nach ihrer Kaufkraft gegenüber den Medienmärkten. Für die Wahl der Rolle sind ausschlaggebend das soziale Umfeld, die vorhandenen personellen, finanziellen und räumlichen Voraussetzungen sowie der vorhandene Bestand.
Tabelle 1 Rollen, Zielgruppen, Funktionen, Niveaus, Mediengattungen
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Informations-logistische Rolle |
beispielhafte Merkmale |
soziale Umgebung |
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Kommunaler Treffpunkt |
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Rang bei Benutzern in den alten Bundesländern: 4 Rang bei Benutzern in den neuen Bundesländern einschl. Berlin-Ost: 5 Indikatoren, die die Betonung dieser Rolle nahelegen:
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Kommunales Infozentrum |
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Rang bei Benutzern in den alten Bundesländern: 2 Rang bei Benutzern in den neuen Bundesländern einschl. Berlin-Ost: 1 Indikatoren, die die Betonung dieser Rolle nahelegen:
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Bildungs-, Ausbildungsunterstützung |
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Rang bei Benutzern in den alten Bundesländern: 3 Rang bei Benutzern in den neuen Bundesländern einschl. Berlin-Ost: 3 Indikatoren, die die Betonung dieser Rolle nahelegen:
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Individuelles Bildungszentrum |
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Rang bei Benutzern in den alten Bundesländern: 5 Rang bei Benutzern in den neuen Bundesländern einschl. Berlin-Ost: 4 Indikatoren, die die Betonung dieser Rolle nahelegen:
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Zentrum populärer Medien |
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Rang bei Benutzern in den alten Bundesländern: 6 Rang bei Benutzern in den neuen Bundesländern einschl. Berlin-Ost: 6 Indikatoren, die die Betonung dieser Rolle nahelegen:
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Tor zum Lernen für Schüler |
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Rang bei Benutzern in den alten Bundesländern: 3 Rang bei Benutzern in den neuen Bundesländern einschl. Berlin-Ost: 3 Indikatoren, die die Betonung dieser Rolle nahelegen:
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Auskünfte und Alltagsinfo |
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Rang bei Benutzern in den alten Bundesländern: 1 Rang bei Benutzern in den neuen Bundesländern einschl. Berlin-Ost: 2 Indikatoren, die die Betonung dieser Rolle nahelegen:
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Forschungszentrum |
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Indikatoren, die die Betonung dieser Rolle nahelegen:
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Die gewählte informationslogistische Rolle wird im Bestandsaufbau konkret umgesetzt, indem diejenigen Zielgruppen, Niveaus, Funktionen und Mediengattungen benannt werden, die bei den Auswahlentscheidungen dominieren sollen. Wird beispielsweise die Rolle Kommunaler Treffpunkt gewählt, sind vor allem Bücher zu kaufen, die sich an Laien, nicht an Fachleute richten, und die aufgrund ihres Inhalts und ihrer Darstellungsweise dem öffentlichen Engagement, der Urteilsbildung, der Wissenspopularisierung und der Unterhaltung dienen. Das heißt, bei dieser Rolle wird der Erwerbungsetat vor allem verwendet, um Info-Broschüren, Zeitungen, Zeitschriften, Fakten-, Zahlen-, Namen-, Waren-, Bildverzeichnisse, Reports, Gutachten, Behördenberichte, CD-ROMs mit Fakten über und für das öffentliche Leben und populäre Sachbücher zu erwerben.
Tabelle 2 Rollen, Zielgruppen, Funktionen, Niveaus, Mediengattungen
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Rolle |
höchstrangige Zielgruppen |
höchstrangige Niveaus |
höchstrangige Funktionen |
höchstrangige Mediengattungen |
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Kommunaler Treffpunkt
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Kommunales Infozentrum |
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Bildungs-, Ausbildungsunterstützung |
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Individuelles Bidlungszentrum |
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Zentrum populärer Medien |
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Tor zum Lernen für Schüler |
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Auskunftsdienst und Alltagsinfo |
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Forschungszentrum |
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2.3 Wie groß soll der Bestand sein?
Der Bestandsaufbau strebt als quantitatives Ziel eine bestimmte Bestandsgröße an. Daraus lassen sich die Zahl der jährlich anzustrebenden Neuzugänge und mithin der zu fordernde Erwerbungsetat ableiten.
Als anzustrebende Mindest-Bestandsgröße galt seit 20 Jahren die Kennzahl von zwei Medieneinheiten pro Einwohner (6). Die deutschen bibliothekarischen Verbände empfehlen seit 1993 jedoch, außer der statischen Kennzahl Medieneinheiten pro Einwohner auch einen wichtigen Aspekt der von der Bibliothek erbrachten Leistung, nämlich die Zahl der Entleihungen, zu berücksichtigen und fordern daher als Zielbestand (7):
Zwei Medieneinheiten pro Einwohner plus ein prozentualer Zuschlag.
Dieser Zuschlag ist das Zehnfache des Umsatzes. Der Umsatz ist der Quotient aus Entleihungen und Bestand. Z.B.:
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Einwohner: |
100.000 |
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vorhandener Bestand: |
150.000 |
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Entleihungen pro Jahr: |
450.000 |
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Umsatz: |
3 |
| Zielbestand: | 200.000 + 30 % = 260.000. |
Unter Berücksichtigung dieses Wachstumszieles, das in einer festzulegenden Zahl von Jahren erreicht werden soll, der Veralterung und des Verschleißes kommt man zu Aussagen über den jährlich erforderlichen Neuzugang. Der jährliche Neuzugang soll nach folgendem Verfahren bestimmt werden (8):
5 % des aktiven Ausleihbestandes zuzüglich Umsatzzahl in Prozent zuzüglich Wachstumsquote. Z.B.:
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Aktiver Ausleihbestand: |
150.000 |
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davon 5 %: |
7.500 |
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Umsatz: |
3 |
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umschlagsbedingter Zuschlag 3 %: |
4.500 |
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Fehlbestand am Zielbestand: |
110.000 |
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Zahl der Jahre bis Erreichung: |
15 |
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jährliche Wachstumsquote: |
7.300 |
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jährlich erforderlicher Neuzugang: |
7.500 + 4.500 + 7.300 = 19.300 |
Der Finanzbedarf ergibt sich unter Berücksichtigung des Durchschnittspreises, der mit 35 DM je Medieneinheit angesetzt werden kann; der Erwerbungsetat soll bei diesem Beispiel also 675.500 DM im Jahr betragen. Läßt man das auf 15 Jahre verteilte Wachstum außer acht, beträgt der Finanzbedarf für Erwerbung 420.000 DM im Jahr.
Beide Größen, die Mindest-Bestandsgröße wie die Kennziffer für den jährlichen Neuzugang, sind als auf Erfahrung gegründete, auf fachlichem Konsens beruhende politische Forderungen zu verstehen. Ähnliche Größen sind seit Jahren international anerkannt. So empfiehlt die International Federation of Library Associations Bestandsgrößen von zwei bis drei Medieneinheiten je Einwohner (9); die UNESCO befürwortet einen jährlichen Neuzugang von 250 Medieneinheiten je 1000 Einwohner (10).
2.4 Wie soll der Bestand zusammengesetzt sein?
Nach heutiger Auffassung soll die Zusammensetzung des Bestandes die Zusammensetzung der Entleihungen widerspiegeln, soweit es sich um vergleichbare Gruppen handelt; ebenso soll die Struktur der Neuerwerbungen der Struktur der Entleihungen entsprechen (11).
Gut untereinander vergleichbar sind vor allem die einzelnen Gebiete der Sachliteratur. Wenn z.B. auf das Sachgebiet Technik 13 % der Entleihungen der Sachliteratur entfallen, dann soll dieses Fachgebiet auch 13 % des Sachbuchbestandes umfassen und 13 % der Neuerwerbungen der Sachliteratur erhalten.
Dieses Verfahren läßt sich freilich nur bedingt auf die Aufteilung in die großen Gruppen Sachliteratur, Schöne Literatur, Kinder- und Jugendliteratur, audiovisuelle Medien und Zeitschriften anwenden. Hier ist es sinnvoller, auf dem Hintergrund eines von der Bibliothek gewünschten Profils Kontingente festzulegen, dabei aber auch die Ausleihanteile zu berücksichtigen.
2.5 Unter welchen Gesichtspunkten ist das Marktangebot zu beurteilen?
Hinter dieser Frage stehen folgende Implikationen:
Die Öffentliche Bibliothek nimmt ihre Informations-, Kommunikations- und Unterhaltungsfunktionen unter Wahrung qualitativer Maßstäbe vor. Ein großer Teil der Unterhaltungsmedien z.B. wird in starkem Ausmaß auf kommerzieller Basis, also ohne Förderung durch die öffentlichen Hände, verbreitet; so werden etwa Videokassetten oder Musik-CDs in Videotheken usw. massenweise vermietet. Es besteht kein gesellschaftlicher Bedarf und kein wirtschaftliches Erfordernis, diese Angebote subventioniert zu vervielfachen. Andererseits leisten auch Trivialliteratur, Comics, insbesondere Kinderliteratur einen Beitrag zur Erhaltung und Verbreitung der gesellschaftlich unverzichtbaren Kulturtechnik Lesen. Dagegen erlangen andere Medien, beispielsweise Bände mit moderner Lyrik, anspruchsvolle Spielfilme auf Video oder Gesetzeskommentare auf ausschließlich kommerzieller Basis, also durch Verkauf in Buchhandlungen, nur eine geringe öffentliche Verbreitung, oder der Zugang zur Information hängt von der finanziellen Leistungskraft des Bürgers ab. Hier ist ein öffentliches Engagement politisch erwünscht und kulturell erforderlich. Diese Rahmenbedingungen behält die Öffentliche Bibliothek im Auge; sie dürfen freilich nicht so eng ausgelegt werden, daß die Öffentliche Bibliothek nur die Medien kaufen dürfe, die kommerziell nicht verwertbar seien. Denn der Blickwinkel ist hier nicht der von den Medien auf die allfällig kaufinteressierten Kunden, sondern der von den Benutzern auf die Medien: Die Bürger sollen durch die Bibliothek einen ungehinderten Zugang zu Ideen, Information und Meinungen erhalten. The public library is the principal means whereby the record of mans thoughts and ideas, and the expression of his creative imagination, are made freely available to all, wie die UNESCO formulierte (12). Der Bezugspunkt ist nicht das einzelne Medium, sondern das Profil des Bestands in der Öffentlichen Bibliothek.
Die einzelne Neuerwerbung ist zu sehen auf dem Hintergrund ihres Beitrags zur Optimierung des vorhandenen Bestands in Richtung auf die Ausfüllung der gewählten informationslogistischen Rolle, sei es als Austausch für eine verschlissene oder veraltete Bestandseinheit, sei es als qualitative oder quantitative Erweiterung des Bestands. Es geht also bei Entscheidungen im Bestandsaufbau nicht um die Frage: Ist dies ein gutes Buch?, sondern um die Frage: Was ist der Beitrag dieser Medieneinheit zur Ausfüllung der gewählten informationslogistischen Rolle (13)? In diesem Zusammenhang erlangen Kenntnisse über Funktionen von Medienkategorien (Sachbuch, Fachbuch, Ratgeber, Anleitung, Verzeichnis, Handbuch usw.) wesentliche Bedeutung für die Aufgabenwahrnehmung im Bestandsaufbau.
Das Ziel des Bestandsaufbaus ist die Befriedigung von Informations-, Kommunikations-, Bildungs- und Unterhaltungsbedürfnissen, die sozial und politisch als öffentlich zu fördernde anerkannt sind. Im einzelnen - wenn es etwa um die Frage nach dem Erwerb politisch radikaler Schriften oder pädagogisch umstrittener Kinderbücher geht - unterliegt dieser Rahmen immer wieder der fachlichen Meinungsbildung, mitunter auch der öffentlichen Diskussion. Die fachliche Meinungsbildung artikuliert sich im wesentlichen in den getroffenen Auswahlentscheidungen und in den schriftlich fixierten Beurteilungen der bibliothekarischen Referatedienste (14), vereinzelt auch in argumentativen Darstellungen in der Fachliteratur (15). Die in US-amerikanischen Öffentlichen Bibliotheken verbreiteten schriftlichen Grundsätze für den Bestandsaufbau, in denen oft mit Bezug zur amerikanischen Verfassung auch solche Literatur, die die Mehrheit der Bürger oder Benutzer ablehnt, ausdrücklich zur Erwerbung vorgesehen ist (16), sind in deutschen Öffentlichen Bibliotheken nicht anzutreffen, auch wenn die deutschen Bibliothekarinnen und Bibliothekare diesen Standpunkt im Sinn ihres Berufsethos uneingeschränkt teilen. Allgemein geht es hier nicht um die einzelne Anfrage in der Bibliothek, über die womöglich zu richten wäre, sondern um den Gesamtcharakter des Bedarfs, auf den die Angebote der Öffentlichen Bibliothek antworten sollen. Im Rahmen ihrer informationslogistischen Rolle orientiert sich die Bibliothek an der Struktur des tatsächlichen Bedarfs, wie er sich in der Nachfrage äußert.
2.6 Wie läßt sich etwas über die Nachfrage in Erfahrung bringen?
Aus dem Vorgesagten folgt, daß die Nachfrage eine zentrale Größe ist, die dem Bestandsaufbau zugrunde liegt. Deshalb erlangen Verfahren zur Ermittlung der Nachfrage sowohl in der Bibliothek wie auch außerhalb der Bibliothek Bedeutung (17). Die Nachfrage in der Bibliothek wird im allgemeinen als Zahl der Entleihungen verteilt auf die Sachgebiete, Abteilungen usw. der Bibliothek gemessen; schwieriger ist es, zuverlässige Daten über die potentielle Nachfrage, die noch nicht in der Bibliothek zu Entleihungen geführt hat, in Erfahrung zu bringen (18).
2.7 Wie sind die Aufgaben bei Medienauswahl und -beschaffung verteilt?
Diese Frage betrifft die Aufgabenverteilung und damit die Aufbauorganisation in der Bibliothek (19). Beispielsweise könnte die Trennung der Aufgaben Medienauswahl und Benutzerberatung, indem zwei verschiedene Mitarbeitergruppen diese Aufgaben wahrnehmen, bedeuten, daß Gesichtspunkte, die sich gerade aus der Benutzerberatung ergeben, zu wenig Beachtung bei der Medienauswahl finden. Umgekehrt liegt die Vermutung nahe, daß der Bestandsaufbau eng an der Nachfrage in der Bibliothek orientiert sein wird, wenn dieselben Bibliothekare/innen beide Aufgaben wahrnehmen.
In Öffentlichen Bibliotheken ist der Bestandsaufbau im allgemeinen Aufgabe von Diplom-Bibliothekare/innen, teilweise auch Aufgabe von Bibliotheksassistenten/innen (bzw. Bibliotheksfacharbeitern/innen), teilweise auch Aufgabe von wissenschaftlichen Bibliothekaren/innen mit universitärer Ausbildung.
2.8 Wie sehen die Arbeitsabläufe Medienauswahl und -beschaffung aus?
Das folgende Beispiel soll die Relevanz der Frage verdeutlichen:
Stellen wir uns eine Bibliothek vor, in der Bibliothekarinnen und Bibliothekare, die Lektoren, mit Eifer und Sachverstand Auswahlentscheidungen treffen und dabei in kürzester Zeit die "richtigen" Titel auswählen. Stellen wir uns weiter vor, diese Bibliothekare geben die Bestellunterlagen nach ihrer Entscheidung unverzüglich an die zuständige Beschaffungsabteilung weiter, und diese Abteilung ebenso wie die Abteilung für Erschließung und Einarbeitung der Medien arbeiteten langsam und unzuverlässig und würden mit einem größer werdenden Rückstau unbearbeiterer Fälle kämpfen. Trotz der guten Lektoratsarbeit lägen hier Mängel im Bestandsaufbau vor, weil die Benutzer keine Chance hätten, die richtig und eilig ausgewählten Titel in der Bibliothek auszuleihen, solange diese aktuell und attraktiv sind. Die Fragestellung im Bestandsaufbau muß deshalb nicht nur auf die richtige Medienauswahl gerichtet sein, sondern auch effiziente Arbeitsabläufe im Auge behalten (20).
Ferner sind zum Bestandsaufbau Kenntnisse des inhaltlichen Referenzsystems, also der Inhalte des Buchmarkts, nämlich
erforderlich. Diese sind nicht Gegenstand dieses Buches.